Die Kaufnebenkosten sind der Posten, der Immobilienkäufer am häufigsten kalt erwischt: 10 bis 12 Prozent des Kaufpreises kommen obendrauf — bei einer 400.000-€-Immobilie also 40.000 bis 48.000 €, die sofort fällig werden und nie wieder zurückkommen. Dieser Ratgeber schlüsselt alle Kaufnebenkosten auf, zeigt die Unterschiede zwischen den Bundesländern und die legalen Hebel, mit denen du mehrere tausend Euro sparst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kaufnebenkosten = Grunderwerbsteuer (3,5–6,5 %) + Notar & Grundbuch (ca. 2 %) + ggf. Makler (bis 3,57 %).
  • Banken finanzieren sie ungern mit — sie sollten aus Eigenkapital kommen.
  • Größter Sparhebel: bewegliches Inventar aus dem Kaufpreis herausrechnen.
  • Nach dem Kauf kommen einmalige Folgekosten wie Umzug, Renovierung und Rücklagen dazu.

Die drei großen Blöcke der Kaufnebenkosten

Grunderwerbsteuer: der dickste Brocken, je nach Bundesland 3,5 bis 6,5 Prozent des Kaufpreises — alle Details und die komplette Ländertabelle findest du im Ratgeber zur Grunderwerbsteuer. Notar und Grundbuchamt: zusammen rund 2 Prozent, gesetzlich festgelegt nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz — verhandeln zwecklos, dafür bundesweit identisch. Maklerprovision: seit 2020 bei Wohnimmobilien mindestens hälftig geteilt; üblich sind 3,57 Prozent inklusive Mehrwertsteuer pro Seite, bei provisionsfreien Angeboten entfällt der Posten komplett.

Rechenbeispiel: 400.000 € Kaufpreis im Ländervergleich

So unterschiedlich fallen die Kaufnebenkosten je nach Standort aus (mit Makler 3,57 %):

Bundesland Grunderwerbsteuer Nebenkosten gesamt in Euro
Bayern 3,5 % 9,1 % 36.280 €
Sachsen 5,5 % 11,1 % 44.280 €
Berlin 6,0 % 11,6 % 46.280 €
NRW / Brandenburg 6,5 % 12,1 % 48.280 €

Zwischen Bayern und NRW liegen bei identischem Haus 12.000 € Differenz — nur wegen der Steuer. Wer in Grenznähe sucht, darf die Landesgrenze also ruhig als Preisfaktor mitdenken. Ohne Makler sinken alle Werte um weitere 14.280 €.

Warum Banken die Kaufnebenkosten nicht mögen

Kaufnebenkosten schaffen keinen Gegenwert, den die Bank verwerten könnte: Im Verwertungsfall zählt nur die Immobilie selbst. Deshalb verlangen fast alle Institute, dass du mindestens diese 10 bis 12 Prozent aus eigener Tasche zahlst — die sogenannte 110-Prozent-Finanzierung inklusive Nebenkosten gibt es nur bei bester Bonität und gegen deutliche Zinsaufschläge. Wie viel Eigenkapital insgesamt sinnvoll ist und wie du es aufbaust, zeigt der Ratgeber Eigenkapital beim Hauskauf; ob dein Gesamtbudget trägt, rechnet der Baufinanzierungsrechner in Sekunden nach.

Legal sparen: Vier Hebel bei den Kaufnebenkosten

1. Inventar herausrechnen: Einbauküche, Sauna, Markisen, Möbel — bewegliches Zubehör gehört nicht zur Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuer. Werden im Kaufvertrag 15.000 € Inventar separat ausgewiesen, sparst du in NRW 975 € Steuer. Wichtig: realistische Werte, sonst prüft das Finanzamt. 2. Instandhaltungsrücklage abziehen: Beim Wohnungskauf ist die anteilige Rücklage der Eigentümergemeinschaft ebenfalls abziehbar. 3. Provisionsfrei suchen: „Von privat“-Angebote und Bauträger-Direktverkäufe sparen den Makler komplett. 4. Notarkosten schlank halten: Verzichtbare Zusatzleistungen wie ein Notaranderkonto (heute meist unnötig) kosten extra — die Standard-Abwicklung über Fälligkeitsmitteilung reicht fast immer.

Ein fünfter, indirekter Hebel ist der Kaufpreis selbst: Weil Grunderwerbsteuer und Maklerprovision prozentual berechnet werden, senkt jeder verhandelte Tausender die Kaufnebenkosten automatisch mit — bei 6,5 Prozent Steuer plus Makler wirken 10.000 € Nachlass wie gut 11.000 €. Verhandlungsspielraum gibt es öfter, als Exposés vermuten lassen: bei Objekten mit langer Standzeit, sichtbarem Sanierungsstau oder wenn du als Käufer mit fertiger Finanzierungszusage schnelle Abwicklung bieten kannst.

Die vergessenen Nebenkosten nach dem Kauf

Die klassischen Kaufnebenkosten enden mit der Eigentumsumschreibung — dein Konto belasten danach aber weitere Einmalposten: Umzug (1.000 bis 3.000 €), Renovierung und erste Reparaturen (je nach Zustand vier- bis fünfstellig), neue Möbel, gegebenenfalls die Finanzierungsbereitstellungszinsen, wenn sich die Übergabe zieht. Plane zusätzlich den Start der laufenden Kosten ein: Grundsteuer, Gebäudeversicherung, bei Wohnungen das Hausgeld. Als Faustregel sollten nach Kauf und Umzug noch drei Netto-Monatsgehälter als Puffer übrig sein — wer sein letztes Erspartes in die Kaufnebenkosten steckt, startet das Eigentümerleben im Risiko.

Kaufnebenkosten bei der Kapitalanlage: teilweise absetzbar

Für Selbstnutzer sind Kaufnebenkosten steuerlich verloren. Vermieter dagegen schlagen Grunderwerbsteuer, Notar- und Maklerkosten den Anschaffungskosten zu und schreiben sie über die Gebäude-AfA ab; die Finanzierungskosten sind sogar sofort als Werbungskosten abziehbar. Das ändert nichts an der Liquiditätsbelastung beim Kauf, verbessert aber die Nachsteuer-Rendite — ein Grund, warum sich für Kapitalanleger auch Hochsteuer-Bundesländer rechnen können. Ob Kaufen gegenüber Mieten überhaupt gewinnt, zeigt dir der Mieten-oder-Kaufen-Rechner inklusive aller Nebenkosten.

Kaufnebenkosten beim Neubau: eigene Spielregeln

Wer neu baut statt Bestand zu kaufen, verteilt die Kaufnebenkosten anders: Die Grunderwerbsteuer fällt idealerweise nur auf das Grundstück an — vorausgesetzt, Grundstückskauf und Bauvertrag sind rechtlich getrennt und du wählst den Bauunternehmer frei (kein „einheitliches Vertragswerk“). Bei 150.000 € Grundstück und 350.000 € Bauleistung spart das in NRW über 22.000 €. Dafür kommen Neubau-typische Posten dazu: Baugenehmigung, Vermessung, Baustrom und -wasser, Erschließungsbeiträge sowie die Bereitstellungszinsen der Bank, wenn das Darlehen über Monate in Tranchen abgerufen wird. Unterm Strich liegen die Kaufnebenkosten beim getrennten Neubau oft trotzdem niedriger als beim Bestandskauf — die Planung ist nur kleinteiliger.

Praktischer Tipp für beide Wege: Lege für alle Rechnungen rund um den Kauf ein separates Unterkonto an und überweise die kalkulierten Beträge dorthin, sobald der Notartermin steht. So vermischen sich Steuer, Notar und Umzug nicht mit dem Alltagsbudget, jede Zahlung ist sofort zuordenbar — und du merkst früh, falls ein Posten aus dem Ruder läuft, statt am Ende vor einem ungeplanten Loch zu stehen.

Häufige Fragen zu den Kaufnebenkosten

Wie hoch sind die Kaufnebenkosten insgesamt?

Mit Makler je nach Bundesland 9 bis 12,1 Prozent des Kaufpreises, ohne Makler 5,5 bis 8,5 Prozent. Bei 400.000 € Kaufpreis also zwischen 22.000 und gut 48.000 €.

Kann ich die Kaufnebenkosten mitfinanzieren?

Nur schwer: Die meisten Banken verlangen sie als Eigenkapital. Eine Finanzierung über 100 Prozent des Kaufpreises hinaus gibt es nur bei sehr guter Bonität — mit spürbarem Zinsaufschlag, der die Nebenkosten über die Laufzeit fast verdoppeln kann.

Wann werden die einzelnen Kaufnebenkosten fällig?

Die Grunderwerbsteuer binnen eines Monats nach dem Steuerbescheid (wenige Wochen nach dem Notartermin), Notar und Grundbuch nach Rechnungsstellung in Etappen, die Maklerprovision meist mit Abschluss des Kaufvertrags.

Sind die Notarkosten überall gleich?

Ja — sie richten sich bundesweit nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz und hängen nur vom Kaufpreis ab. Rund 1,5 Prozent entfallen auf den Notar, 0,5 Prozent auf das Grundbuchamt.

Was passiert, wenn ich die Grunderwerbsteuer nicht zahle?

Ohne Zahlung stellt das Finanzamt keine Unbedenklichkeitsbescheinigung aus — und ohne die wirst du nicht als Eigentümer ins Grundbuch eingetragen. Der Kauf hängt dann in der Schwebe, Säumniszuschläge kommen obendrauf.

Fazit: Nebenkosten sind Hauptkosten

Wer die Kaufnebenkosten von Anfang an als festen Budgetblock einplant — und nicht als lästige Fußnote —, erlebt beim Immobilienkauf keine böse Überraschung. Rechne sie vor der Objektsuche in dein Budget ein, nutze die vier Sparhebel und halte nach dem Kauf einen Puffer zurück. Dann bleiben die 10 Prozent das, was sie sein sollten: ein kalkulierter Posten statt ein Schock.

Jens Schreiner
Autor
Jens Schreiner
Jens beschäftigt sich seit dem Studium intensiv mit privaten Finanzen – von Girokonten und Tagesgeld über ETF-Depots bis zu Kreditkarten und Versicherungen. Beruflich in der IT zu Hause, geht er Finanzthemen analytisch und datengetrieben an: Er vergleicht Konditionen im Detail, probiert Kontoeröffnungen und Neukundenangebote selbst aus und übersetzt komplizierte Produkte in verständliche Sprache. Auf Sparnia zeigt er, wie man mit cleveren Vergleichen und Neukundenangeboten bares Geld spart und verdient – unabhängig, transparent und nachvollziehbar.