Das Wichtigste in Kürze

  • Die Rürup-Rente (Basisrente) ist die staatlich geförderte Vorsorge per Steuerabzug: Beiträge sind bis zu hohen Grenzen absetzbar.
  • 2026 sind bis zu rund 30.800 € (Ledige) bzw. 61.650 € (Paare) als Sonderausgaben abziehbar.
  • Ideal für Selbstständige und Gutverdiener – dafür ist das Kapital unkündbar und wird nur verrentet.
  • Die Kostenfrage entscheidet: ETF-basierte Nettotarife schlagen teure Klassik-Policen deutlich.

Die Rürup-Rente ist das steuerlich stärkste Vorsorgeprodukt Deutschlands – und zugleich das unflexibelste. Ob sich die Rürup-Rente für dich lohnt, hängt fast ausschließlich von Steuersatz, Erwerbsstatus und den Vertragskosten ab. Dieser Ratgeber erklärt Förderung, Fallstricke und Alternativen. Den Gesamtüberblick liefert Altersvorsorge einfach erklärt.

Was ist die Rürup-Rente?

Offiziell heißt sie Basisrente: eine private Rentenversicherung, die der gesetzlichen Rente rechtlich nachgebildet ist. Eingezahltes Kapital wird später zwingend als lebenslange Rente ausgezahlt – eine Kapitalauszahlung gibt es nicht. Im Gegenzug belohnt der Staat die Beiträge mit einem außergewöhnlich hohen Steuerabzug.

So funktioniert die Steuerförderung

Beiträge zur Rürup-Rente zählen zu den Vorsorgeaufwendungen und sind seit 2023 zu 100 Prozent als Sonderausgaben absetzbar – gemeinsam mit den Beiträgen zur gesetzlichen Rente bis zum Höchstbetrag (2026: rund 30.826 Euro für Ledige, das Doppelte für zusammen Veranlagte). Bei 42 Prozent Grenzsteuersatz erstattet dir das Finanzamt also bis zu rund 12.900 Euro im Jahr.

Förderung in Zahlen

Beispiel: Ein lediger Selbstständiger zahlt 12.000 Euro in seine Rürup-Rente ein. Bei 42 Prozent Grenzsteuersatz plus Soli spart er gut 5.300 Euro Steuern – effektiv kosten ihn die 12.000 Euro Vorsorge also nur rund 6.700 Euro. Diese Sofortrendite durch den Steuereffekt macht das Modell für Gutverdiener so attraktiv.

Nachgelagerte Besteuerung

Die Kehrseite: Die spätere Rente ist steuerpflichtig – für Rentenbeginn ab 2058 zu 100 Prozent, davor anteilig steigend. Das Kalkül dahinter: Im Ruhestand ist dein Steuersatz meist niedriger als im Erwerbsleben. Die Differenz zwischen hohem Abzugssatz heute und niedrigerem Steuersatz morgen ist dein eigentlicher Gewinn.

Für wen lohnt sich die Rürup-Rente?

Klassische Zielgruppe sind Selbstständige ohne gesetzliche Rentenversicherung, die sonst kaum gefördert vorsorgen können – mehr dazu unter Altersvorsorge für Selbstständige. Ebenfalls interessant: angestellte Gutverdiener nahe der Beitragsbemessungsgrenze und Sparer kurz vor der Rente, die hohe Einmalbeiträge steuerwirksam platzieren wollen.

Für wen eher nicht?

Geringverdiener profitieren kaum (niedriger Steuersatz = kleine Ersparnis), junge Angestellte binden sich unnötig früh, und wer flexibel bleiben will, ist mit einem freien Depot besser bedient. Auch als „Notgroschen“ taugt die Rürup-Rente nie – das Kapital ist bis zur Rente unantastbar. Erst Rentenlücke rechnen, dann Produkt wählen: siehe Rentenlücke.

Die große Schwäche: Unflexibilität

Rürup-Verträge sind nicht kündbar, nicht beleihbar, nicht vererbbar (außer über Zusatzbausteine) und nicht kapitalisierbar – du kannst sie nur beitragsfrei stellen. Diese Härte ist der Preis für die Förderung. Wer sie unterschätzt, ärgert sich Jahrzehnte. Plane deshalb nur Beträge ein, die du sicher dauerhaft entbehren kannst.

Klassisch, fondsgebunden oder ETF?

Es gibt drei Welten: klassische Policen mit Garantiezins (sicher, aber renditeschwach), teure fondsgebundene Tarife mit Provisionen – und schlanke ETF-basierte Nettotarife. Für lange Laufzeiten ist die ETF-Variante meist erste Wahl: Weltportfolio-Rendite plus Steuervorteil, ohne Garantien, die Rendite kosten.

Kosten: der Renditekiller Nr. 1

Zwischen einem teuren Provisionstarif (2 Prozent+ Effektivkosten) und einem Nettotarif (unter 0,5 Prozent plus Honorar) liegen über 30 Jahre schnell Zehntausende Euro. Prüfe im Angebot die ausgewiesene Effektivkostenquote und lass dir Nettotarife rechnen – die einmalige Beratungsgebühr amortisiert sich meist in wenigen Jahren.

Rürup oder Riester?

Die Riester-Rente fördert über Zulagen und lohnt vor allem für Familien mit Kindern und Geringverdiener; die Rürup-Rente fördert über den Steuerabzug und zielt auf Selbstständige und hohe Einkommen. Beide sind unflexibel – wer beides kann, vergleicht die Förderquote im eigenen Fall statt Pauschalurteilen zu folgen.

Rürup oder einfach ETF-Depot?

Das freie Depot punktet mit voller Flexibilität, Vererbbarkeit und niedrigsten Kosten – aber ohne Sofort-Steuerabzug. Als Faustregel: Je höher dein Steuersatz heute und je niedriger im Alter, desto eher gewinnt die Rürup-Rente; je wichtiger Flexibilität, desto eher das Depot über den Depot-Vergleich. Viele fahren zweigleisig.

Zusatzbaustein Berufsunfähigkeit

Rürup lässt sich mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung koppeln – dann sind auch die BU-Beiträge steuerlich absetzbar. Klingt clever, hat aber Haken: Bei Beitragsfreistellung gefährdest du den BU-Schutz gleich mit. Meist ist die getrennte BU-Police die robustere Lösung; Details im BU-Ratgeber der Versicherungs-Themenwelt.

Was passiert im Todesfall?

Ohne Zusatzvereinbarung verfällt das Kapital im Todesfall zugunsten der Versichertengemeinschaft. Gegen Aufpreis sichern Rentengarantiezeiten oder Hinterbliebenenrenten Ehepartner und kindergeldberechtigte Kinder ab – andere Erben gehen leer aus. Dieser Punkt gehört vor Abschluss zwingend geklärt.

Auszahlung: nur als Leibrente

Frühestens ab 62 fließt die Rürup-Rente als lebenslange Monatsrente. Wie hoch sie ausfällt, bestimmt neben dem Kapital der Rentenfaktor des Anbieters – vergleiche ihn kritisch und achte auf garantierte Faktoren. Eine grobe Orientierung: 100.000 Euro Kapital ergeben je nach Tarif etwa 300 bis 400 Euro Monatsrente.

Anbieterwechsel und Beitragspause

Beiträge kannst du jederzeit senken, aussetzen oder als Einmalzahlungen (etwa im gewinnstarken Jahr) leisten – das macht die Rürup-Rente für schwankende Selbstständigen-Einkommen praktikabel. Ein Anbieterwechsel per Übertragung des Kapitals ist möglich, aber oft mit Kosten verbunden; besser von Anfang an einen günstigen Tarif wählen.

In der Steuererklärung angeben

Die Beiträge trägst du in der Anlage Vorsorgeaufwand ein; der Anbieter meldet sie zusätzlich elektronisch ans Finanzamt. Eine gute Steuersoftware zeigt dir sofort die Erstattungswirkung. Tipp: Wer die Erstattung jährlich wieder anlegt, beschleunigt den Vermögensaufbau spürbar.

Ein komplettes Rechenbeispiel

Selbstständige Ärztin, 40, Grenzsteuersatz 44 Prozent inkl. Soli: Sie zahlt 1.000 Euro monatlich in eine ETF-basierte Rürup-Rente. Steuerersparnis: rund 5.300 Euro pro Jahr. Nach 27 Jahren mit 5,5 Prozent Rendite stehen etwa 700.000 Euro im Vertrag – als Leibrente grob 2.400 Euro monatlich, zu versteuern, aber lebenslang garantiert.

Häufige Fehler

Die Klassiker: teuren Provisionstarif unterschreiben statt Nettotarif zu vergleichen, die Unkündbarkeit unterschätzen, Hinterbliebenenschutz vergessen, mit niedrigem Steuersatz abschließen (kaum Förderwirkung) und die BU unnötig einkoppeln. Und: die Rürup-Rente als einzigen Baustein nutzen, statt sie mit flexiblem Depotvermögen zu kombinieren.

Häufige Fragen zur Rürup-Rente

Wie viel kann ich bei der Rürup-Rente absetzen?

2026 bis zu rund 30.800 Euro (Ledige) bzw. 61.650 Euro (Paare) – abzüglich bereits gezahlter Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung.

Kann ich mir das Rürup-Kapital auszahlen lassen?

Nein, niemals als Einmalbetrag – nur als lebenslange Rente ab frühestens 62. Genau das ist der Preis der Steuerförderung.

Lohnt sich die Rürup-Rente für Angestellte?

Vor allem für Gutverdiener über der Beitragsbemessungsgrenze oder kurz vor der Rente. Standardfälle fahren mit bAV und ETF-Depot oft besser.

Was passiert bei Berufsaufgabe oder Arbeitslosigkeit?

Der Vertrag ist Hartz-IV-/pfändungssicher in der Ansparphase und kann beitragsfrei gestellt werden – das Kapital bleibt für die Rente erhalten.

Quellen & weiterführende Informationen


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Jens Schreiner
Autor
Jens Schreiner
Jens beschäftigt sich seit dem Studium intensiv mit privaten Finanzen – von Girokonten und Tagesgeld über ETF-Depots bis zu Kreditkarten und Versicherungen. Beruflich in der IT zu Hause, geht er Finanzthemen analytisch und datengetrieben an: Er vergleicht Konditionen im Detail, probiert Kontoeröffnungen und Neukundenangebote selbst aus und übersetzt komplizierte Produkte in verständliche Sprache. Auf Sparnia zeigt er, wie man mit cleveren Vergleichen und Neukundenangeboten bares Geld spart und verdient – unabhängig, transparent und nachvollziehbar.